Sandra Schmid

Text · Konzept · Redaktion

Eine Hochschulregion will nach oben

Die Unis in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen wollen das Ruhrgebiet gemeinsam zum Blühen bringen. Rückenwind gibt ihnen dabei einmal mehr die Mercator-Stiftung. Mit 22 Millionen Euro fördert die Stiftung Talente und Projekte, die dem wissenschaftlichen Aufstieg dienen. Jetzt endete die erste Ausschreibung.

Deutsche Universitätszeitung - 24. Juli 2010
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Allein das mehrstufige Auswahlverfahren nach dem Vorbild der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zeigt, wie ernst es den drei benachbarten Hochschulen und der Mercator Stiftung damit ist, das Ruhrgebiet zu einer der ersten Wissenschaftsadressen in Deutschland zu machen – gleichauf mit Standorten wie München oder Berlin. Wer Fördergelder des gemeinsam gegrundeten Mercator Research Centers Ruhr (Mercur) erhalten will, muss nicht nur den internen Aussiebeprozess an einer der Hochschulen überstehen, sondern auch externe, unabhangige Gutachter und den wissenschaftlichen Beirat von Mercur überzeugen, dem ebenfalls nur renommierte Wissenschaftler angehören, die keinerlei Verbindung zu den Ruhrgebiets-Hochschulen haben dürfen. So soll sichergestellt werden, dass tatsächlich nur die besten Projekte und Hochschullehrer gefördert und nicht nachdem ‘Gieskannenprinzip’ alle drei Universitaten gleichermaßen gefördert werden. “Was im Großen mit der DFG funktioniert, kann auch im Kleinen funktionieren”, beurteilt Dr. Frank Staudner, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband, das Verfahren. Wegweisend sei der Ansatz, durch “freundschaftliche Konkurrenz” mehr Kooperation zwischen den Unis zu initiieren.

Von null auf Hundert

Kooperation und Konkurrenz als Schlüssel zu exzellenter Wissenschaft? Unser Ziel ist, die Forschungspotenziale der einzelnen Universitaten zu stärken und gleichzeitig die Kooperation untereinander zu fördern, sagt Mercur-Direktor Prof. Dr. Winfried Schulze. Deshalb unterstützt Mercur bewusst nicht nur einzelne Profs und Projekte, sondern auch gerade über die Strukturforderung interuniversitare Zentren. So könnten die Ruhrgebiets-Unis, die bislang noch nicht in der “allerersten Reihe” mitspielten, ihr Profil schärfen und im Wettbewerb um die Berufung renommierter Wissenschaftler punkten, erklärt Schulze, der von 1998 bis 2001 Vorsitzender des Wissenschaftsrates war. Die Gelegenheit lassen sich die Unis nicht entgegen: Die Resonanz auf die erste Ausschreibung im Mai war groß. Binnen zwei Monaten gingen mehr als 100 Antragsskizzen ein. 40 davon wurden nach der inneruniversitaren Prüfung zum weiteren Verfahren zugelassen. Auch wenn das Mercator Research Center, was die Auswahl angeht, fast wie eine Art regionale DFG funktioniert, es gibt einen Unterschied: Anders als die DFG zielt Mercur nicht nur auf Forschung ab, sondern auch auf die Lehre. So können hier nicht nur fur Forschungs-, sondern auch Lehrprojekte Fördergelder beantragt werden.

Die Lehre geht leer aus

Bei der ersten Antragsrunde wurde dieses Angebot allerdings kaum genutzt: “Leider wurde kein einziger Antrag gestellt, der etwa auf die Konzeption eines Studiengangs hinausläuft”, sagt Schulze. Eine Quote fur die Lehre halt der Mercur-Leiter trotzdem nicht für sinnvoll. Er ist optimistisch, dass die
Zahl der Antrage fur Lehrprojekte in Zukunft steigen wird. Die Hochschulen hätten in der ersten Runde die Antrage unter Zeitdruck formulieren müssen und daher hauptsachlich versucht, bestehende Forschungsinteressen zu kooperativen Projekten zu bündeln. “Ich gehe deshalb davon aus, dass sich die Verteilung zwischen Forschungs- und Lehrprojektantragen in den kommenden Antragsrunden ändern wird.” Doch immerhin wurde das Signal für mehr Zusammenarbeit gehort: Zwar gingen insgesamt mehr Anträge zur Förderung von Forschungsprojekten ein als Strukturforderungsantrage,
doch wurde die Mehrheit der Projektantrage von drei oder zumindest zwei Universitaten gemeinsam gestellt. Das wertet Winfried Schulze als ermutigendes Zeichen: “Der Impuls zur Kooperation hat gewirkt.”

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